Aktuelles

09.02.2014

Neustrukturierung des Klinikverbundes Südwest

„Es ist höchste Zeit, dass sich der MIT Kreisverband Böblingen zu dem unprofessionellen Vorgehen der Entscheidungsträger zu Wort meldet“. Mit dieser einleitenden Bemerkung wendet sich der MIT Kreisvorsitzende Rudolf Preiß an die lokale Presse und an die Bevölkerung im Landkreis.

Die Neuausrichtung des Klinikverbundes ist sowohl aus Sicht der medizinischen Dienstleistungen als auch aus organisatorischen Gesichtspunkten unbestritten. Aber es finden nur hektische Aktionen und keine Diskussion eines Gesamtkonzeptes statt.

Es kann ja sein, dass das Entscheidungsgremium, also der Kreistag wegen der Komplexität überfordert ist, was nachvollziehbar wäre, aber dann muss Kompetenz eingekauft werden, wie das seriöse Unternehmen professionell pflegen.

Und weshalb soll sich ein kommunales Unternehmen von einem wirtschaftsgeprägten Unternehmen unterscheiden? Die Grundlagen für die zu treffenden Entscheidungen sind immer die gleichen.

Und bei der Größe des Investitionsvolumens von ca. 350 Mio Euro (so die spekulierten Zahlen) muss auch hochqualitative Kompetenz verfügbar gemacht werden.

Da reicht keine „Medizinische Konzeption“ der Tübinger Firma Teamplan aus, mag sie noch so gute Vorschläge zur medizinischen Ausrichtung vorlegen.

Aber der Reihe nach:

Zukünftige Klinische Konzeption

  • Unbestritten ist bisher offensichtlich, dass alle 4 Standorte Herrenberg, Leonberg, Böblingen und Sindelfingen (später in einem gemeinsamen Klinikum) erhalten bleiben sollen.
  • Offen ist die Verteilung von Schwerpunkten, Spezialisierungen und Allgemeinversorgung, da weiter-hin heftig umstritten.
  • Richtig ist, dass Doppelausstattungen – wo möglich und sinnvoll – reduziert oder vermieden werden sollen.
  • Falsch ist jedoch die Annahme, dass sich die Patienten bei der Auswahl des Krankenhauses nach den konzeptionellen Vorstellungen richten. Sie gehen dahin, wo sie sich medizinisch am besten versorgt fühlen und auch Kontakt mit ihren Angehörigen haben können und das kann ortsnah oder auch außerhalb des Landkreises sein.
  • Falsch ist auch die Aussage, die Kliniken müssten schwarze Zahlen schreiben, das mag für privat geführte Kliniken zutreffen, aber nicht für die Verpflichtung des Landkreises zur Daseinsvorsorge.

In diesem Zusammenhang sei an den Betrieb der Kindergärten erinnert. Natürlich ist es wünschens-wert, zuschussfrei die Krankenhäuser betreiben zu können. Das darf aber kein Kriterium für die medi-zinische Konzeption sein.

  • Und was bisher nicht die notwendige Berücksichtigung gefunden hat, ist die laufend nach oben zeigende Altersstruktur der Bevölkerung. Dies bedingt statistisch für die älteren Einwohner häufigere und längere Krankenhausaufenthalte wegen Insuffizienz mit dem Verlangen nach Betreuung durch die Angehörigen vor Ort.

Kosten

  • Die Kosten für den Neubau des Klinikums werden derzeit mit ca. 350 Mio € angegeben.
  • Mir ist keine belastbare Kostenermittlung durch einen in der Sache qualifizierten Architekten bekannt, der bei evtl. Auftragsvergabe auch zu den von ihm ermittelten Kosten regresspflichtig stehen würde. Solche nach außen verbreitete Aussagen würden in der Wirtschaft in der Regel mit Stopp oder personellen Veränderungen einhergehen.
  • Wenn die konzeptionellen Vorstellungen, wie jetzt geplant und hoffentlich verbessert, stehen (s.o.) –
  • eine saubere und belastbare Kostenermittlung vorliegt, fehlt noch immer der Geldgeber.
  • Da der Landkreis von Finanzzuweisungen für seine ihm zugewiesenen Aufgaben lebt, kann er nur an einer Schraube drehen, und das ist die Kreisumlage und hier wird er auf massiven Widerstand der Bevölkerung und der sie vertretenden Gemeinden stoßen
  • auch hier steht eine Aussage über die voraussichtliche Erhöhung der Kreisumlage für die folgenden Jahre aus
  • dazu kommt noch der laufende Abmangel, also die Verlustübernahme der heutigen 4 Kliniken durch den Landkreis, der sich durch den Ausstieg der Stadt Sindelfingen aus dem Gesellschaftervertrag des Krankenhauses Sindelfingen mit dem Kreiskrankenhaus Böblingen ab 2015 noch verstärken wird
  • völlig unbelastet von der Problematik kauft der Landkreis bereits heute das Grundstück auf dem Flugfeld von der Stadt Sindelfingen, auf dem das Klinikum gebaut werden soll
  • über die Verwertung der nach dem Neubau überflüssigen Krankenhäuser Sindelfingen und Böblingen liegt m.W. bisher kein belastbarer Vorschlag vor, geschweige denn eine Finanzaussage
  • auch ist die Frage zu beantworten, welche Projekte sich der Landkreis in den nächsten Jahren überhaupt leisten kann (z.B. neben Krankenhauskonzept die Elektrifizierung der Schönbuchbahn?, dem Ausbau der A81?, die Hessebahn?,…)

Forderung des Sozialministeriums

  • völlig indiskutabel war die Äußerung der Sozialministerin Katrin Altpeter, es würde vom Land kein Geld geben, wenn nicht bis Pfingsten eine klare Entscheidung des Landkreises zur zukünftigen Gestaltung der Kreiskliniken dem Ministerium vorliegt.
  • Und was macht unsere Kreisverwaltung (wobei der Kreistag mehrheitlich zustimmte!), sie springt auf die Forderung auf. Ich habe bisher noch niemand gefunden, der das verstehen und erklären kann. Ist es Obrigkeitshörigkeit, Angst, sie könnte den Geldhahn zudrehen?
  • Dabei ist es die Aufgabe des Sozialministeriums, eine objektive Bewertung der Anforderungen im Gesundheitswesen im Land zu gewährleisten. Versuchte Erpressungen gehören nicht zu ihrem Aufgabengebiet

Empfehlung

Die MIT empfiehlt dringend die Installation eines qualifizierten hochkarätigen Projektmanagements, eine ganzheitliche Erarbeitung der Neukonzeption, eine gründliche Kostenermittlung im Gesamt- zusammenhang, Einkaufen von Kompetenz und Gewährung von ausreichender Zeitspanne für die bestmögliche Entscheidung.

Wohin Dilettantismus führen kann, sieht man beim Flughafen Berlin.Brandenburg, bei der Elbphilharmonie in Hamburg aber auch ganz nah beim Ausbau mit Überdeckelung der A81.

Mit freundlichen Grüßen

Rudolf Preiß
Vorsitzender MIT Kreisverband Böblingen
Stv. Vorsitzender MIT Bezirksverband Nordwürttemberg

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